HiPaKu-Skript - Basel

© Institut für Pathologie Basel / Dr. med. Katharina Glatz-Krieger

HiPaKu-Skript ist eine druckbare Zusammenfassung des Online-Histopathologiekurses und ersetzt weder HiPaKu noch die Vorlesung oder das Vorlesungsskript.

HiPaKu wird jährlich überarbeitet (vor Beginn des Wintersemesters). Diese Zusammenfassung wird automatisch aktualisiert.
Stand: 25-May-2013


Modul: Pathologie JK 3 (altes Curriculum)

Präparat Nr 001 aus Kasten JK3

Topographie / Diagnose

Nebenschilddrüse / Noduläre Nebenschilddrüsenhyperplasie

Einleitung

Hyperparathyreoidismus:
Hyperplasien und Tumoren der Nebenschilddrüse sind in der Regel mit einer übermässigen Produktion und Ausschüttung von Parathormon assoziiert. Diese chronische Parathormon-Übersekretion wird als Hyperparathyreoidismus (HPT) bezeichnet.
Dabei werden 3 Formen unterschieden: Aetiologie des Hyperparathyreoidismus:
Die Ursache eines pHPT kann ein solitäres Adenom PathoPic 010111 der Hauptzellen (80-85%), ein oxyphiles Adenom (<4%), eine Hyperplasie der Hauptzellen (15-20%), ein Karzinom der Nebenschilddrüse (<3%) oder selten eine Entzündung der Nebenschilddrüsen bzw. ein Lipoadenom sein. Bei bis zu 20% der Patienten mit pHPT treten die Nebenschilddrüsenveränderungen im Rahmen eines MEN1 oder seltener MEN2A-Syndroms auf.
Dem sHPT zugrunde liegt zumeist eine chronische Niereninsuffizienz mit einer Vitamin D-Synthesestörung, einer Hyperphosphatämie und einer Hypokalzämie. Ein Vitamin D-Mangel durch Malnutrition oder Malabsorption, chronischen Leberschaden, verminderte Sonnenexposition, Synthesedefekte oder eine Endorganresistenz bei Rezeptordefekt kann auch bei normaler Nierenfunktion zu einem sekundären Hyperparathyreoidismus führen. Der sHPT ist Ausdruck einer regulativen Anpassung an eine Störung der Kalziumhomöostase.
Der Übergang des regulativen sHPT in eine autonome PTH-Sekretion unabhängig vom Serumkalziumspiegel wird als tHPT bezeichnet.

Morphologie der Nebenschilddrüsenhyperplasie:
Morphologisch besteht bei sHPT eine Hauptzellhyperplasie. Makroskopisch findet sich eine meist ungleich ausgebildete Vergrösserung aller Nebenschilddrüsen. Die Grösse der Drüsen entspricht der Schwere und der Dauer des Stimulus. Die im früheren Stadium gefundene diffuse Hyperplasie mit Ersatz des Stromas und der Fettzellen durch chronisch stimulierte Hauptzellen PathoPic 558 PathoPic 559 geht im späteren Stadium in eine noduläre Hyperplasie („Pseudoadenome“) über PathoPic 2358. Die regulierte Anpassung der Nebenschilddrüsen kann in eine Autonomie übergehen (tHPT) PathoPic 3704. Morphologisch besteht in diesem Fall eine unregelmässige noduläre Hyperplasie. Gelegentlich entwickelt sich beim tHPT ein dominanter Knoten, der morphologisch nicht von einem Adenom bei pHPT unterscheidbar ist.

Anmerkung:
Zur korrekten Beurteilung einer Nebenschilddrüsenpathologie ist der Pathologe auf klinische Angaben angewiesen (primärer oder sekundärer Hyperparathyreoidismus, eine oder mehrere Drüsen betroffen). Während früher der intraoperative Gefrierschnitt mit dem Minimalziel des Nachweises oder Ausschlusses einer pathologisch veränderten Nebenschilddrüse durchgeführt wurde, dient er heute praktisch ausschließlich der Identifikation von Nebenschilddrüsengewebe. Bei Operationen an der Nebenschilddrüse sollte heute anhand der modernen präoperativen Diagnostik bereits feststehen, ob eine Ein- oder Mehrdrüsenerkrankung vorliegt. Entscheidend für das Ausmass der Operation ist die intraoperative Bestimmung des Parathormonwertes. Bei Bestehen einer Ein-Drüsen-Erkrankung wird nur die betroffene Drüse entfernt. Ohne klinische Angabe kann der Pathologe in solchen Fällen ein Adenom nicht sicher von einer Hyperplasie unterscheiden.

update 30. August 2012

Klinik

Symptomatik:
Nur der pHPT und tHPT gehen mit Hyperkalzämie und den damit verbundenen Komplikationen (Muskelschwäche, allgemeine Müdigkeit, Nierenkoliken, Gewichtsverlust, mentale Veränderungen, Obstipation, epigastrische Schmerzen, Erbrechen, Polyurie/Polydipsie) einher, während alle 3 Formen die Ursache des mit einem HPT assoziierten osteologischen Syndroms (Knochenschmerzen, Knochenbrüche, Osteomalazie, Fibroosteoklasie) sein können. Die klinischen Befunde sind beim Adenom praktisch identisch mit denen der primären Hyperplasie. Da aufgrund des biochemischen Screenings Patienten mit pHPT heute sehr viel früher entdeckt werden, hat sich die Symptomatologie verändert. Hyperkalzämische Patienten werden regelmäßig im noch asymptomatischen Stadium erkannt oder zeigen lediglich milde Symptome wie Müdigkeit oder Depressionen.
Beim renalen sekundären Hyperparathyreoidismus stehen Beschwerden des Bewegungsapparates im Vordergrund (Knochenschmerzen, Frakturen, proximale Muskelschwäche). Zusätzlich können Verkalkungen der Weichteile und der Gefässe auftreten. Die Symptome des intestinalen sekundären Hyperparathyreoidismus werden durch das Grundleiden und die Auswirkungen auf das Skelettsystem bestimmt. Die Symptome können individuell sehr unterschiedlich sein. Der Vitamin-D-Mangel ist verantwortlich für die Symptome einer Osteomalazie PathoPic 3519. Steht die Abnahme der Knochensubstanz (Osteopenie) im Vordergrund, treten Symptome einer Osteoporose auf. Die Hypokalzämie kann Tetanien auslösen.

Diagnostik:
Für die Diagnose wird der Kalzium- und Phosphatspiegel bestimmt. Außerdem Parathormon-, Serumphosphatase- und Vitamin-D Spiegel. Neben den Laboruntersuchungen müssen Betroffene auch geröngt werden zum Nachweis der renalen Osteopathie. Nebenschilddrüsen sind makroskopisch nicht immer eindeutig von kleinen Lymphknoten oder Schilddrüsenknoten abzugrenzen. Deshalb werden operativ entnommene Nebenschilddrüsen zur Bestätigung der Organdiagnose oftmals mittels intraoperativem Schnellschnitt untersucht. Auch eine Unterscheidung von Schilddrüsengewebe und Nebenschilddrüsengewebe kann die Indikation für eine intraoperative Schnellschnittuntersuchung sein PathoPic 4334.

Therapie:
Therapie des sekundären Hyperparathyreoidismus: Diätetische Phospateinschränkung, Phosphatbinder, Kalziumkarbonatsubstitution, Substitution von 25(OH)-Vitamin D3 oder 1-alpha-hydroxiliertem D3. Die Indikation zur operativen Therapie ist gegeben bei persistierender Hyperkalzämie (Übergang in tertiären Hyperparathyreoidismus oder therapieinduziert), Spontanfrakturen bei Fibroosteoklasie, schwerer renaler Osteopathie bei Normokalzämie oder Weichteil- und Gefässverkalkungen. Es wird eine subtotale Parathyreoidektomie mit Belassen eines Nebenschilddrüsenrestes durchgeführt oder alternativ eine totale Parathyreoidektomie mit simultaner Autotransplantation. Ein 5 Minuten nach Entfernung des pathologischen Nebenschilddrüsengewebes gemessener über 50%iger Abfall des Parathormons gilt als Hinweis auf eine erfolgreiche Operation und erlaubt gleichzeitig zwischen einer Hyperplasie aller 4 Nebenschilddrüsen und dem (sehr seltenen) Vorliegen von mehr als einem Nebenschilddrüsenadenom zu unterscheiden.

update 30. August 2012

Repetitorium

Morphologische Merkmale: Für normale Nebenschilddrüsen gilt: Das sollte der Kliniker dem Pathologen mitteilen:

Präparat Nr 003 aus Kasten JK3

Topographie / Diagnose

Leber / Leber bei mechanischem extrahepatischem Verschluss

Einleitung

Aetiologie:
Ein extrahepatischer Verschlussikterus liegt vor, wenn die grossen Gallenwege ausserhalb der Leber oder im Leberhilus obstruiert sind. Die Cholestase ist nicht eine Erkrankung, sondern das Symptom einer Erkrankung. Eine Cholestase stellt nie einen Normalbefund dar und sollte die Suche nach einer Ursache auslösen. Der Verschluss wird am häufigsten verursacht durch eine Choledocholithiasis. Weitere Ursachen sind maligne Tumoren, welche die Gallenwege infiltrieren, die angeborene Atresie der extrahepatischen Gallenwege, gutartige narbige Strikturen nach intraoperativer Verletzung der Gallenwege oder bei chronischer sklerosierender Pankreatitis. Selten liegt eine Kompression von aussen durch eine Choledochozele, tumorös vergrösserte hiläre Lymphknoten oder eine pankreatische Pseudozyste vor. Eine primär sklerosierende Cholangitis kann extrahepatische oder intrahepatische Gangstrikturen hervorrufen. Schliesslich können Parasiten im Choledochus ursächlich beteiligt sein (Chlonorchis sinensis, Ascaris, Strongyloides, Fascioliasis).

Morphologie:
Die Leber ist vergrössert und grün gefärbt. Die intrahepatischen Gallenwege sind dilatiert. Zunächst enthalten sie dunkle Galle, später eine farblose Flüssigkeit. Histologisch findet sich in den ersten Wochen findet eine Bilirubinostase mit intrazellulären Galletropfen und intrakanalikulären Gallethromben in den perivenulären Hepatozyten (Zone 3). In diesem frühen Stadium ist die Ursache des Gallestaus morphologisch nicht ableitbar. Die Portalfelder sind ödematös aufgelockert, abgerundet und enthalten ein gemischtes Entzündungsinfiltrat aus netrophilen Granulozyten, Lymphozyten und Plasmazellen sowie proliferierte Ductuli. Bei längerer Verschlussdauer breitet sich die Bilirubinostase bis in die Zone 1 aus. Die Leberzellen bilden tubuläre Strukturen (Rosetten).
Im Verlauf von Wochen bis Monaten kommt es durch Detergentienwirkung von Gallesäuren in den Hepatozyten der Zone 1 zur Cholatstase: Einzelne oder Gruppen vergrösserter periportaler Hepatozyten zeigen eine fein retikuläre Degeneration des Zytoplasma (=Netzdegeneration), welche im Verlauf in eine lytische Zellnekrose übergeht (=Netznekrose). Nach Bilirubineinstrom in das Nekroseareal bezeichnet man diese als Galleinfarkt. Grosse Galleinfarkte sind diagnostisch für eine extrahepatische Cholestase. Ebenfalls diagnostisch für einen mechanischen Verschluss ist die Ausweitung und Ruptur grösserer interlobulärer Gallengänge mit Ausbildung von Galleseen PathoPic 0886 (Galleextravasat). Die freigewordene Galle wird von Makrophagen abgebaut. Bei einer langdauernden Cholestase können in periportalen Hepatozyten cholestatische Mallory-Denk Körperchen abgelagert werden (bei aethylischer Leberzirrhose perivenulär!). In der Orceinfärbung finden sich granuläre periportale Ablagerungen von Kupfer und kupferbindendem Protein.

Verlauf:
Bei weniger als 10% der Patienten entwickelt sich innerhalb eines Zeitraumes von Monaten bis mehreren Jahren über eine (reversible) biliäre Fibrose PathoPic 562 mit portoportalen Fibrosebrücken eine sekundäre biliäre Zirrhose PathoPic 4320.

Klinik

Symptomatik:
Eine Hyperbilirubinämie ist am frühesten an einer Gelbverfärbung der Skleren erkennbar (Sklerenikterus). Erst bei schwerer Cholestase verfärben sich auch Haut- und Schleimhäute gelbgrün. Der Urin ist dunkelbraun verfärbt, während der Stuhl sehr hell ist. Die Patienten klagen oft über quälenden, generalisierten Juckreiz, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Durch die fehlende Gallesekretion in den Dünndarm kommt es zu einem Mangel an fettlöslichen Vitaminen. Zusätzlich muss nach Symptomen der zugrundeliegenden Erkrankung gefahndet werden und nach Zeichen einer Komplikation. Die Charcot Trias: Fieber >38 °C, manchmal mit Schüttelfrost (65%), Ikterus (ca. 70%) und Schmerzen am rechten Rippenbogen deuten auf eine komplizierende eitrige Cholangitis PathoPic 3619 PathoPic 888.

Diagnostik:
Neben einer Erhöhung des Bilirubins findet sich bei der obstruktiven Cholestase praktisch immer eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase und der Gamma-Glutamyl Transferase. Die Transaminasen sind in der Regel nur gering erhöht. Verschiedene apparative Verfahren finden für die weitere Abklärung der Ursache der Obstruktion Anwendung (Sonographie, CT, ERC und ERCP, perkutanes transhepatisches Cholangiogramm). Wenn nach einer Ultraschalluntersuchung eine intrahepatische Cholestase wahrscheinlich erscheint, kann zur weiteren Klärung eine Leberbiopsie durchgeführt werden. Auf diese Weise kann unter Umständen eine invasivere Untersuchungsmethode vermieden werden.

Therapie:
Die Therapie ist krankheitsspezifisch und zielt auf die Behebung der Ursache der Cholestase.

Repetitorium

Morphologische Merkmale: