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Die Arbeit der Pathologen

Pathologie ist die Lehre der krankhaften Veränderungen im Körper. Die Arbeit der Pathologen kann in folgende drei Arbeitsgebiete gegliedert werden:
 

Diagnostik

Nach operativer Entfernung eines Organs durch den Chirurgen oder Entnahme eines kleinen Gewebsstückes (Biopsie) bzw. von Zellen (Zytologie) durch einen Arzt wird das entsprechende Gewebe an den Pathologen gesandt. Kleine Biopsate werden direkt vom Labor zu Schnittpräparaten weiterverarbeitet, welche unter dem Mikroskop betrachtet werden können. Grosse Präparate werden durch den Pathologen zunächst von Auge (makroskopisch) beurteilt. Areale mit krankhaften Veränderungen werden von ihm aus dem Präparat herausgeschnitten und wiederum vom Labor zu Schnittpräparaten verarbeitet .

Die Hauptaufgabe des Pathologen besteht jetzt in der Betrachtung der Schnittpräparate unter dem Mikroskop . Aufgrund des makroskopischen und mikroskopischen Befundes kann er dem einsendenden Arzt folgende Mitteilungen machen:

  • Gutartige oder bösartige Veränderung.
  • Art der Erkrankung und Schweregrad.
  • Tumortyp (hat eventuell Einfluss auf Behandlung und Prognose).
  • Grösse, Ausdehnung und Bösartigkeit eines Krebses (dies hat oft Einfluss auf die weitere Behandlung).

Die Patientin oder der Patient sieht den Pathologen nie, doch seine Diagnose entscheidet häufig über die Wahl der Therapie.

Bei Tumoren kann er angeben, ob diese vollständig entfernt wurden, oder ob der Chirurg nochmals operieren muss. Wenn der Chirurg schon während der Operation wissen möchte, ob er den ganzen Tumor entfernt hat oder um welche Krankheit es sich handelt, wird noch während der Operation ein Gewebsstück des Patienten entnommen und dem Pathologen geschickt. Das Gewebe wird im Labor sofort tiefgefroren und anschliessend ein Schnittpräparat hergestellt . Auf diese Weise kann der Pathologe dem Chirurgen schon innert weniger Minuten ein Resultat mitteilen. Diese Art der Diagnosestellung nennt man entsprechend "Schnellschnittuntersuchung". Der Chirurg kann jetzt aufgrund der telefonisch mitgeteilten Diagnose entscheiden, ob er die Operation abschliessen kann, oder ob ein erweiterter Eingriff notwendig ist.

In wenigen Minuten stellt der Pathologe an der Gewebsprobe Diagnosen, die das weitere operative Vorgehen entscheidend beeinflussen können.

Aufgrund des Aussehens unter dem Mikroskop und mit Hilfe von Zusatzuntersuchungen kann der Pathologe bei einigen Krebsarten dem behandelnden Arzt über die mögliche Entwicklung der Tumorerkrankung eines bestimmten Patienten Auskunft geben.

Die Diagnose des Pathologen am entfernten Organ trägt zu der Entscheidung bei, ob die operative Behandlung ausreichend war, oder ob eine zusätzliche Strahlen- und/oder Chemotherapie erforderlich ist.

Auch die Krebsvorsorge bei Frauen gehört zu den Aufgaben der Pathologen. Der Gynäkologe führt regelmässig Vorsorgeuntersuchungen durch. Dabei werden Zellen vom Gebärmuttermund und -hals entnommen. Die Zellen werden vom speziell ausgebildeten Pathologen (Zytologe) auf krebsverdächtige Zellen untersucht. Bei leichten Veränderungen der Zellen reicht eine Nachkontrolle mit Wiederholung der Untersuchung nach verkürztem Zeitintervall. Bei schwereren Veränderung wird unter Umständen eine Operation notwendig.

Die Patientin sieht den Pathologen nie, doch ist er ein Partner bei der Krebsvorsorge-Untersuchung.

 

Autopsie

Die Autopsie gleicht einer grossen Operation. Sie wird von einem Pathologen durchgeführt. Dabei werden alle oder auch nur einzelne Organe zunächst von blossem Auge beurteilt und Proben entnommen. Ein Teil der Krankheiten kann schon jetzt festgestellt werden. Für andere Diagnosen ist die Untersuchung der entnommenen Gewebsproben unter dem Mikroskop erforderlich. Manchmal helfen zusätzliche Blutuntersuchungen bei der Diagnosestellung.

Bei aussergewöhnlichen Todesfälle wird die Autopsie in der Regel nicht vom Pathologen, sondern vom Gerichtsmediziner durchgeführt. Gerichtsmediziner und Pathologen werden in Fernsehkrimis oft verwechselt. Während der Pathologe im Auftrag des behandelnden Arztes eine Autopsie durchführt, tut dies der Gerichtsmediziner auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Oft geht es letzterem um den Ausschluss einer unnatürlichen Todesursache bei plötzlichen und unerwarteten Todesfällen.

Entgegen landläufiger Meinung macht die Autopsietätigkeit nur einen geringen Anteil der Arbeit eines Pathologen aus. In erster Linie ist der Pathologe für lebende Patienten in der Diagnostik tätig.

Wozu wird eine Autopsie durchgeführt?

Sie hilft Patienten und Angehörigen:
  • Kenntnis der Todesursache.
  • Sicherheit, dass der Angehörige die bestmögliche medizinische Versorgung erhielt.
  • Nachweis ansteckender Erkrankungen (Kontaktpersonen können je nach Erkrankung prophylaktische antibiotische Behandlung benötigen).
  • Nachweis familiärer Neigung zu bestimmten Erkrankungen.
  • Nachweis von Erbleiden und somit Unterstützung für genetische Beratung.
  • Nachweis einer Gefährdung durch Umweltnoxen.
  • Versicherungsrechtliche Untersuchungen.
Sie hilft dem Arzt:
  • Bestätigung, Erweiterung oder Korrektur der zu Lebzeiten vom behandelnden Arzt gestellten Diagnosen (Qualitätskontrolle). Dies gilt auch für die Diagnosen, welche der Pathologe zu Lebzeiten des Patienten anhand von Gewebsentnahmen gestellt hat (Selbstkontrolle).
  • Analyse von Behandlungskomplikationen und von Medikamentennebenwirkungen.
  • Überprüfung der Resultate neuer diagnostischer Methoden.
  • Informationen über Ursachen, Manifestationen und Verlauf neuer Krankheiten (z.B. AIDS).
  • Informationen über Qualität der medizinischen und pflegerischen Betreuung.
  • Beurteilung neuer Operationstechniken (z.B. Abnutzung eines künstlichen Hüftgelenks).
Sie hilft der Gesellschaft:
  • Genauere Todesursachenstatistiken.
  • Früherkennung einer Zunahme von Berufskrankheiten oder von Umweltschäden.
  • Früherkennung neuer Infektionskrankheiten und Epidemien.
  • Aufklärung der Ursachen bestimmter Erkrankungen.
  • Qualitätskontrolle der Medizin.
  • Epidemiologische Forschung (Prognosen für zukünftige Entwicklungen bei zunehmender Alterung der Bevölkerung, Therapieoptimierung, Verbesserung prophylaktischer Massnahmen…).
Sie hilft Studierenden:
  • Besseres Verständnis für pathologische Vorgänge.
  • Verbesserung anatomischer Kenntnisse.
  • Erkennen der Fehlbarkeit der Diagnostik.
  • Selbstkritische Einschätzung eigenen Handelns.

Die Todesursache

Manchmal ist eine Todesursache klar ersichtlich wie beispielsweise bei einem Herzinfarkt mit Einriss der Herzwand Bild, bei einer Blutung aus einem Magenulkus Bild oder bei einer massiven Lungenembolie Bild. Auch in diesem Fall interessiert sich der Pathologe nicht nur für die Todesursache, sondern für verursachende Faktoren, welche zu einem Herzinfarkt oder einer Blutung geführt haben. Eine Hirnblutung kann beispielsweise durch einen Tumor, eine Gefässmissbildung, zu hohen Blutdruck oder eine Medikamenten-Nebenwirkung verursacht werden.

Oft führt die Kombination verschiedener Ereignisse zum Tod eines Patienten. In solchen Fällen ist es auch dem Pathologen oft nicht möglich, eine genaue Todesursache anzugeben. Bei einem durch ein Krebsleiden geschwächten Patienten führt vielfach eine Infektion unmittelbar zum Tod. Das Tumorleiden und eine Therapie, welche als Nebenwirkung die Infekt-Abwehr zusätzlich schwächte, haben der tödlichen Infektion eventuell den Weg bereitet. Viel wichtiger als die Suche nach dem einzelnen Mosaikstein, welcher schlussendlich zum Tod geführt hat, ist das Erkennen des Zusammenspiels aller Komponenten des Leidens und seiner Auswirkungen (Ausdehnung des Tumorleidens im Vergleich mit bildgebenden Untersuchungsmethoden (Röntgen, CT, MRI, etc.), Therapiewirkungen, zusätzliche Erkrankungen u.s.w.)

Will man den Lebenden helfen, muss man den Tod verstehen. Die Autopsie leistet hier einen sehr wichtigen Beitrag als letztinstanzliche Qualitätskontrolle der Medizin.

 

Forschung

Hunderte von Krankheiten sind in der Geschichte der Medizin von Pathologen entdeckt worden.

Anfang der 80-iger Jahre wurden Magenbakterien entdeckt, die eine Entzündung der Magenschleimhaut Bild und als Komplikation Magengeschwüre oder Magenkrebs verursachen. Durch rechtzeitige medikamentöse Beseitigung dieser Bakterien (Helicobacter pylori Bild) lassen sich diese Krankheiten heilen oder verhindern.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Erforschung der Ursache einer Erkrankung oft Voraussetzung für die Entwicklung einer wirksamen Therapie oder Prophylaxe ist.

Das heute wichtigste Forschungsgebiet bei der Autopsie ist die Alzheimer Krankheit, für die keine Heilung existiert, während die Anzahl Betroffener stetig zunimmt. Will man die Alzheimer Krankheit "besiegen", muss man das menschliche Gehirn studieren, da die Alzheimer Krankheit nur beim Menschen vorkommt. Sozusagen als Nebenprodukt haben die bisherigen Erforschungen zur Entdeckung vieler bislang unbekannter Hirnkrankheiten geführt.

Allein oder in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus anderen Fachrichtungen, beispielsweise Molekularbiologen, werden bekannte Erkrankungen mit hochmodernen Methoden weiter erforscht. Die Erforschung der Krankheit hilft, diese besser zu verstehen und eventuell besser behandeln zu können. Die Diagnosestellung kann präzisiert werden. Eine korrekte Diagnose ist entscheidend für die Wahl der richtigen Therapie.

 

Lehre

Die Pathologie bildet eine der tragenden Säulen bei der Ausbildung von Studierenden der Medizin und von Ärzten. In den Ausbildungsveranstaltungen werden Ursache, Verlauf und Auswirkung von Krankheiten vermittelt. Pathologie ist Anschauungsunterricht. Das Betrachten und Betasten veränderter Organe und Gewebe fördert das Verständnis für pathologische Veränderungen, die im Umgang mit Patienten nur selten erkennbar sind.

Von zahlreichen gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltungen und Besprechungen mit Klinikärzten profitieren nicht nur die beteiligten Ärzte, sondern auch die Patienten.

Der Pathologe ist wie jeder Arzt verpflichtet, sich ständig weiterzubilden, um auf dem neusten Stand des Wissens zu bleiben. Zu diesem Zweck besucht er Schnittseminarien, wo schwierige diagnostische Beispiele besprochen werden. Über die neusten Forschungsergebnisse in seinem Fachgebiet orientiert er sich durch regelmässige Lektüre verschiedener Fachzeitschriften und besucht Kongresse, wo aktuelles Wissen in Vorträgen, Workshops, Seminarien und auf Postern weitervermittelt wird. Seine eigenen Forschungsresultate publiziert er in Zeitschriften und stellt diese an Kongressen den Kollegen vor.

Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten von Wissenserwerb und Wissensvermittlung. Mit Patho Basiliensis bieten wir sowohl der Bevölkerung als auch Studierenden und Ärzten aktualisierte Informationen aus dem Bereich der Pathologie.

Wissenschaft betreiben und die Ergebnisse der Gesellschaft vermitteln ist die Hauptaufgabe der Universität.


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